Risiken kontrollieren: Warum Disziplin an der Börse wichtiger ist als Hoffnung

An der Börse wird nicht jede Investition ein Erfolg. Selbst bei sorgfältiger Analyse kann es vorkommen, dass sich ein Titel nicht wie erwartet entwickelt. Wer aktiv handelt, weiß: Schon eine leicht positive Trefferquote reicht manchmal, um Gewinne zu erzielen. Doch ich setze den Maßstab höher. Mein Ziel ist es nicht, mit Ach und Krach über der Null zu bleiben – ich will für meine Leser nachhaltig Werte schaffen.
Und genau deshalb ist der Umgang mit Verlusten so entscheidend. Denn nicht der Verlust an sich ist das Problem – sondern die Frage, wie man damit umgeht.
Verluste gehören dazu – doch wie viel darf ein Minus kosten?
Es ist menschlich, an einer Investition festzuhalten, in die man viel Hoffnung gesteckt hat. Aber Hoffnung ist keine Strategie. Wenn sich ein Investment nicht so entwickelt wie geplant, muss gehandelt werden – bevor aus einem kleinen Rücksetzer ein ausgewachsener Verlust wird. Ein Totalverlust lässt sich in der Regel vermeiden, wenn man rechtzeitig reagiert.
Diese Konsequenz fällt vielen schwer. Neulich erzählte mir eine Bekannte, wie sie mehrfach Aktien bis zum bitteren Ende hielt – bis das Unternehmen insolvent war und die Papiere wertlos. Wer zu lange zögert, verliert alles.
Warum viele Anleger zu spät verkaufen
Es gibt zwei typische Gründe, warum sich Anleger mit dem Verkauf schwertun. Erstens: das Eingeständnis, falsch gelegen zu haben. Das kratzt am Selbstbild – besonders, wenn man überzeugt war. Doch an der Börse geht es nicht darum, Recht zu behalten, sondern darum, Vermögen aufzubauen. Auch ich liege nicht immer richtig. Aber ich reagiere konsequent, wenn sich eine Investmentthese nicht bestätigt.
Zweitens: die Hoffnung, dass der Kurs sich wieder erholt. Der Satz „Ich warte, bis ich wieder bei Null bin“ ist weit verbreitet – aber oft teuer. Ja, es gibt Beispiele wie Amazon nach dem Platzen der Dotcom-Blase. Doch solche Comebacks brauchen Zeit. Im Fall von Amazon dauerte es über ein Jahrzehnt, bis das Hoch von damals wieder erreicht war. Wer stattdessen Verluste begrenzt und flexibel bleibt, kann schneller neue Chancen nutzen – und oft schon nach kurzer Zeit wieder im Plus sein.
Was zählt, ist der nächste richtige Schritt
Die wichtigste Frage ist nicht, ob eine Aktie irgendwann wieder steigt – sondern ob sie heute noch in Ihr Portfolio passt. Dient sie der Stabilität? Bietet sie Perspektive? Oder blockiert sie Kapital, das anderswo bessere Aussichten hätte?
Manchmal ist der strategisch kluge Schritt, eine verlustreiche Position zu verkaufen und den Verlust steuerlich geltend zu machen. Über die Details sprechen Sie am besten mit Ihrem Steuerberater. Wichtig ist: Der Verkauf ist kein Scheitern – sondern aktives Risikomanagement.
Wann ein Verkauf sinnvoll ist
Ich trenne mich in drei Fällen von einer Position: Erstens, wenn sich die Investmentstory grundlegend ändert. Ein Beispiel war Alphabet: Das Kerngeschäft – die Google-Suche – steht durch Künstliche Intelligenz unter Druck. Der Wachstumspfad ist unklar, die ursprüngliche These nicht mehr tragfähig.
Zweitens, wenn sich im Chartbild eine klare Trendwende abzeichnet. Dann gilt es, unabhängig vom Einstandskurs zu handeln – denn der Markt kennt Ihren Einstieg nicht.
Disziplin schafft Raum für neue Gewinne
Klar ist: Ich setze alles daran, dass möglichst viele Positionen im Plus landen – idealerweise mit deutlichem Abstand. Und ich lasse Gewinne laufen, solange der Trend trägt. Doch wenn sich das Bild ändert, handle ich. Denn nur wer Verluste begrenzt, schafft die Voraussetzung für neue Erfolge.
Am Ende zählt nicht, wie sehr Sie an eine Aktie geglaubt haben – sondern ob sie Ihrem Kapital heute nützt. Das ist keine Schwäche, sondern der vielleicht wichtigste Grundsatz erfolgreichen Investierens: Disziplin schlägt Hoffnung.

Stefan Lehne

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